Geschrieben am in Jahresberichte, News

Jahresbericht 2017

Sehr geehrte Kundinnen und Kunden

Der Alkoholkonsum in der Schweiz ist relativ konstant. Innerhalb dieser Konstanz ist der Weinanteil von Jahr zu Jahr geringer. Da stellt sich natürlich schon die Frage warum dem so ist.

Vor 200 Jahren war der Wein noch ein Grundnahrungsmittel und allein der Kanton Zürich verfügte damals über eine Rebfläche wie die ganze Schweiz heute. Die Erträge in jener Zeit waren wesentlich geringer und starken Schwankungen unterworfen. In einer Chronik fand ich folgenden Satz: “…haben sie drei bis vier Maas Wein zu sich gezwängt”. Da wurde also tüchtig gebechert denn in jener Gegend wird das Maas mit 1.62 Litern angegeben. Die Alkoholgehalte lagen irgendwo zwischen 6 – 8 Volumenprozent und die Weinqualität war sicherlich auch so, dass man ihn zu sich zwängen musste. Man stelle sich nur mal vor, dass heute noch Beamtengehälter in Naturalien wie Wein ausbezahlt würden.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Reblaus und der echte wie falsche Mehltau als Krankheiten eingeschleppt und führte zum Untergang dieser Kultur. Gegenmittel waren zwar schnell gefunden doch mit der Gründung des Bundesstaates fielen die interkantonalen Zölle weg und das Aufkommen der Eisenbahn verhinderten eine Wiederbelebung des Weinbaus. Mit der Bahn wurden nun grosse Mengen an ausländischen Weinen zu günstigen Konditionen und in besserer Qualität eingeführt.

Heute muss sich der Wein gegen farbigen Billigwodka (von poprot bis giftgrün) und trendige Lokalbrauereien (mit hervorragenden Produkten) behaupten. Diese Getränke sind in ihrer Qualität standardisiert und der Kunde weiss über Jahre was er hat, auch sind sie keinen Ertragsschwankungen unterworfen und Lieferengpässe sind inexistent.

Ganz anders verhält es sich beim Genussmittel Wein. Gerade das 2017 zeigt dies wieder deutlich, denn es wird bei mir zu Lieferengpässen kommen. Und ja, die Qualität ist beim Wein naturgegeben von Jahr zu Jahr schwankend und letztlich auch Ausdruck des jeweiligen Jahrgangs. Ich behaupte nun mal, diese Schwäche ist unsere Stärke, denn in letzter Konsequenz ist dies Charakter.

Das Rebjahr 2017

Die Frostnächte vom 18. – 21. April waren in der gesamten Schweizer Press ein Thema. Einige Ergänzungen möchte ich dennoch anfügen. Von mir aus gesehen war nicht der Frost die eigentliche Problematik, sondern vielmehr die vorangegangenen 34 Schönwettertage in Folge. Noch nie habe ich einen Austrieb im März erlebt, so geschehen beim Cornalin am 26. März. Denn normaler weise beginnt der Austrieb hier Ende April und wir zittern dann zwei bis drei Wochen bis zu den Eisheiligen.

Der Frost selber war insofern aussergewöhnlich, als dass es sich nicht um einen normalen Strahlungsfrost (mit -2 bis -3°C) in einer klaren Frühjahrsnacht handelte. Es war ein Polarlufteinbruch mit Wind und das mit Temperaturen bis minus 9 Grad (Visp -13,4°). Die Auswirkungen beim Strahlungsfrost finden sich üblicher weise in Mulden und ebenen Reblagen, doch diesmal gab es mit dem Wind überhaupt keine Logik und alle Gegenmassnahmen haben nichts gebracht.

Bei den fühen Sorten wie Chardonnay und Cornalin waren die Triebe bereits etwa 30cm gross und die fruchtbaren Nebenaugen hatten ebefalls ausgetrieben. Vier Wochen später haben dann die schlafenden Augen aus dem Altholz ausgeschlagen, doch diese haben leider keine Früchte.

Späte Sorten wie Cabernet Sauvignon, Syrah, Johannisberg und Merlot in höheren Lagen hatten noch nicht ausgetrieben. Hier hatte ich normale Erträge. Dann gab es aber auch noch die Mischform, d.h. zwar zum Teil Frost, aber mit dem späteren Austrieb der fruchtbaren Nebenaugen. Somit hatten wir zwei Generationen von Trauben, die zwei bis drei Wochen auseinander lagen (Humagne rouge Pinot, Heida). In diesen Parzellen mussten wir zweimal ernten, aber das ging nur mit den Vollprofis, die auch das Auge dafür haben.

Die Verluste gegenüber dem Vorjahr waren mit 52% bei den weissen und 54% bei den roten Gewächsen beträchtlich. Dies ist aber im Vergleich zu Berufskollegen in der Ostschweiz oder im benachbarten Ausland “Klagen auf hohem Niveau”. Ich kenne Betriebe, die 90% Verluste hinnehmen mussten.

Oenologie und Weinjahr im 2017

Der Verlauf der Reife verlief frostbedingt sehr unterschiedlich. Dort, wo es sehr wenig Trauben hatte, war das Verhältnis zweischen Früchten und Laubmasse komplett verschoben. Entsprechend rasant haben die wenigen Früchte den Zucker eingelagert. Meiner Meinung nach haben viele Winzer zu früh mit der Ernte begonnen und sich von den hohen Oechslegraden verleiten lassen.

Zucker ist natürlich nur ein Parameter, der die Reife ausdrückt. Eben so entscheidend sind Merkmale der physiologischen Reife, d.h. die Stielansätze der Trauben müssen verholzt sein und die Traubenkerne müssen eine braune Farbe aufweisen. Genau diese Merkmale traten erst gegen Ende September klar hervor. Dies lässt den Rückschluss zu, betreffend der Reife von Phenolen und der Tanine. Die Säure und der Säuregrad (pH) haben ebenfalls einen entscheidenden Einfluss auf die Mostqualität. Doch dies hier genauer zu beschreiben sprengt den Rahmen. Etwas salop ausgedrückt, je höher die Säure und je tiefer das pH, um so besser ist die Farbausbeute bei den Rotweinen und um so stabiler verhalten sich die Weine generell.

Ein weiterer Grund, warum mir die späten Jahre lieber sind, ist die Tatsache, dass wir ab Oktober die grösseren Schwankungen zwischen Tag- und Nachttemperaturen haben. Je ausgeprägter diese Schwankungen sind, um so besser ist die Bouquet- und Aromabildung. Insofern verhält sich die Traube wie das Kernobst.

Der letze Punkt, der einen guten Grundwein verspricht, ist der generelle Gesundheitszustand der Trauben. Also weder Fäulnis noch andere Pilzkrankheiten, kein Wespen- oder Vogelfrass und auch keine Kirschessigfliegen. Die Fliegen waren wegen des anhaltend trockenen Wetters eh kein Thema, denn diese mögen es feucht und eher kühl.

Die geringen Mengen erlaubten ein sehr sorgfältiges Arbeiten im Keller, so völlig ohne Stress. Individuelles Arbeiten und Sorgfalt wurden noch grösser geschrieben als sonst und manchmal hatte ich das Gefühl ein Apotheker zu sein. Bedingt durch den hohen Zuckergehalt sind die Alkoholgehalte gegenüber dem Vorjahr etwas höher ausgefallen. Dies ist für mich jedoch kein negativer Aspekt, da der Alkohol als Aromaträger betrachtet werden muss.

Bei den Roweinen verfüge ich über einen Vorrat von zwei Jahren. Doch die knappen Weissweine werden wohl noch rarer, namentlich der Johannisberg wird wiederum schnell ausverkauft sein. Mein Glück besteht letzlich darin, dass ich bei den Sorten, die am schlimmsten betroffen waren, über die grössten Vorräte verfüge. Beim Cornalin haben wir im Januar 18 eine erste Abfüllung gemacht und die homöopatische Menge Chardonnay 2017 kommt nicht vor dem Herbst in die Flasche.

Verschiedenes

Die Straffung der Preisliste ist in vollem Gang, bereits gestrichen sind Fendant, Cuvée rouge no.4. Die Änderung des Reglements für die Grand Cru Produktion wird zwangsläufig zu einer Verwässerung der Qualität führen. Bereits habe ich meine Parzellen abgemeldet, hier wird der Jahrgang 2015 der letzte sein, der bei mir erhältlich sein wird. Beim Cornalin habe ich nur 500 Liter Réserve gemacht und einen Cornalin 2017 wird es nicht geben.

Die Anpassung der Preise bei einigen Produkten war unvermeidlich. Bei den Weissen betrifft dies den Chardonnay und den Johannisberg und bei den Roten den Pinot sélection und das Cuvée no.2 und no.3. Die Preiserhöhungen sind marginal, die Ausnahme bildet der Pinot sélection. Seine Qualität wurde durch das Wegfallen des Grand Cru auf dessen Niveau angehoben und wird ihn über kurz oder lang ersetzen. Allerdings ist er immer noch einen Fünfliber billiger als der GC.

Qulität und Rückgaberecht

Sollten Sie fehlerhaften Wein im Keller haben, bitte ich Sie um Entschuldigung. Ich ersetze Ihnen selbstverständlich diese Flaschen, was übrigens auch immer für Weine mit Korkengeschmack gilt. Machen Sie also nicht die Faust im Sack, ich stehe für meine Produkte ein. Nach wie vor biete ich einen 6er oder 12er Degustationskarton zu einem Sonderpreis an, so könnne Sie sich von der Qualität der aktuellen Jahrgänge auch zu Hause und beim Essen überzeugen.

In diesem Sinne, à votre santé

Jürg Biber

Salgesch, März 2018

Geschrieben am in Jahresberichte

Jahresbericht 2015

Sehr geehrte Kundinnen und Kunden

Modetrends finden bekanntlich nicht nur in den Warenhäusern statt. Sie sind allgegen- wärtig, so auch bei den Rebsorten. Neben den Standartsorten wie Pinot noir, Gamay, Johannisberg und Fendant pflegten die Winzer in bescheidenem Umfang noch ihre Spezialitäten. Winzer, die ihre Ernten an Grosskellereien abgeben, haben natürlich schnell einmal festgestellt, dass das Traubengut für die Spezialitäten zunehmend besser bezahlt wird.

So liegt es auf der Hand, dass die Basissorten zu Gunsten von Petite Arvine, Heida, Cornalin und Humagne rouge aufgegeben wurden. Längst sind diese Spezialitäten keine Raritäten mehr, im Gegenteil. Im Grossverteiler werden nun Aktionen zu Preisen angeboten, bei denen ich niemals mithalten kann. Parallel mit der preislichen Entwicklung hat eine Verwässerung der Qualität bei den Spezialitäten stattgefunden.

Normalerweise kaufe ich kein Traubengut zu, sondern verwende für meine Weine nur Trauben aus eigener Produktion. Doch wenn sich Neupflanzungen anbahnen und in den ersten drei Jahren nichts zu ernten ist, bin ich auf einen gewissen Zukauf angewiesen. Damit soll die Kontinuität gegenüber meinen Kunden gewährleistet werden. So geschehen beim Johannisberg, wo wir die Hälfte einer Parzelle ausgerissen haben. Das fehlende Quantum wollte ich durch Zukauf ersetzen, doch seit letzten Herbst ist kein Johannisberg mehr erhältlich.

Daselbe gilt übrigens für Fendant und qualitativ guten Pinot noir. Im ganzen Wallis ist weder Fendant noch Johannisberg im Offenhandel erhältlich und das stimmt mich doch nachdenklich. Nach drei aufeinander folgenden geringen Ernten ist dies das Resultat – Basisweine werden innert kürzester Zeit zu Spezialitäten bzw. Raritäten. Zum Glück waren die Ernteeinbussen im Oberwallis nicht so dramatisch, im Unterwallis aber mit 30 bis 50% doch beträchtlich. Es sind aber grosse Unterschiede je nach Rebsorte und Reblagen fest zu stellen.

Das Rebjahr 2015

Die Spatzen pfeifen es längst vom Dach, der Jahrgang 2015 ist ein Knaller. Dies bedeutet aber nicht, dass wir keine Probleme hatten. Wiederum war der Austrieb frühzeitig und die Angst vor Frostnächten durchaus berechtigt, doch zum Glück fanden diese nicht statt. Bald einmal zeigte sich, dass die Fruchtanlage nicht die beste ist. Dies ist wohl auf das schlechte Wetter im Vorjahr zurück zu führen, während die Fruchtbarkeit in der Knospe angelegt wird (fehlende Sonnenstunden im Juni 2014). Die Witterung während der Blüte war auch nicht die Beste, doch fairer weise muss gesagt werden, dass es grosse Unterschiede bezüglich Sorten und Lagen gab.

Danach kam bekanntlich der Jahrhundertsommer, einhergehend mit einer hohen Temperatursumme und Trockenheit. Die Reben gediehen prächtig und Laubkrankheiten waren kein Thema. In Folge der Trockenheit war auch die Kirschessigfliege, die uns im Vorjahr so zugesetzt hatte, wie ausgestorben. Sie konnte noch in einigen frühreifen roten Sorten gefunden werden, doch Probleme gab es mit ihr keine.

Die Bewässerung in der Gemeinde Salgesch ist seit Jahren unbefriedigend. Vor allem nach schneearmen Wintern ist im zweiten Kehr kein Wasser mehr im System. Im Gegensatz zu Varen mit seinen ca. 20 Terminen pro Jahr,haben wir in Salgesch nur zwei Kehren. Bei Sorten, die gerne nasse Füsse haben, wie etwa Merlot oder Jungpflanzungen stellt dies ein zunehmendes Problem dar. So auch ausgesprochen im trockenen Sommer 2015.

Die Festlegung des Erntezeitpunktes ist einer der wichtigsten Parameter für die künftige Weinqualität. Normalerweise mache ich dies über die Aromatik der Beeren, d.h. ich gehe durch die Rebparzellen und teste den Geschmack der Beeren. Daneben gibt es aber auch klare physiologische Merkmale für die Vollreife. Namentlich sollten die Kerne schön braun und somit ausgereift sein, aber auch die Stielansätze der Trauben sollten 2 -3 cm zur Rute hin verholzt sein. Und nicht zu vergessen der Zuckergehalt in Oechsle gemessen.

Die Erntemenge lag nach Abschluss etwa 23% unter dem Durchschnitt und doch war die ganze Ernte eine einzige Freude. Genau das Gegenteil vom Vorjahr. Absolut gesundes Traubengut von bester Qualität, das einfach nur abgeschnitten werden konnte. Der Zuckergehalt zwar am oberen und die Säure am unteren Limit. Voll ausgereifte Phenole und Tanine.

Oenologie und Weinjahr im 2015

Bedingt durch den Trockenstress und die Sommerhitze hatten wir im Most ein verschobenes Verhältnis zwischen Glucose und Fructose. Dieses Phänomen ist mir von den Spätlesen her bestens bekannt. Dass es aber bei den Weissweinen auftritt, ist in dieser Form neu für mich. Normale Gärhefen bauen die beiden Zuckerarten zu gleichen Teilen ab. Wenn eine Zuckerart ganz vergoren ist, so bleibt die andere als Restsüsse im Jungwein zurück. Es existieren aber auch Fructophile Hefen, die die verschiedenen Sorten getrennt vergären können. Diese werden jedoch normalerweise nicht bei den Weissweinen eingesetzt.

In den vergangenen 10 Jahren hat sich die Gärproblematik bei den Weissweinen verschärft. Worauf dies zurück zu führen ist, lässt sich schwer sagen. Sicherlich ist es aber ein Mix aus diversen Gründen. Einige davon sind: negative Umwelteinflüsse oder Spritzmittelrückstände die in trockenen Jahren nicht ausgewaschen werden, mangelnde Nährstoffversorgung (zurückhaltende Düngung, Trockenheit). Gerade Nährstoffe, die durch die Trockenheit im Boden nicht mehr mobil sind, können so von der Pflanze nicht mehr aufgenommen werden, scheinen da eine wichtige Rolle zu spielen. Vor allem der Stickstoff, der letztlich in der Traube und danach im Saft zu finden ist, bildet auch die Nahrungsgrundlage für die Hefezellen. Die Forderung nach immer saubereren, reintönigeren und fruchtbetonteren Weinen führt zudem dazu, dass die Moste vor der Gärung fast blank sind und keine Schleimstoffe mehr als Hefenahrung enthalten.

Insgesamt sind die oben genannten Gründe dafür verantwortlich, dass ausser dem Fendant alle Weissweine eine leichte Restsüsse aufweisen. Markant ist diese beim Chardonnay. Zweifellos wird dieser Wein vorab bei einem jüngeren Publikum im Apérobereich gut ankommen. Noch habe ich die Hoffnung, dass sich der Restzucker mit zunehmender Flaschenreife in die Struktur integriert und nicht mehr so vordergründig erscheint.

Ich bin gar kein Freund von Restzucker, denn meine Weine sollen gastronomisch integriert werden können. Leider hat der Zucker in der Lebensmitteltechnologie einen hohen Stellenwert und ist sicher irgendwo zu finden, sei es in einer Wurst, Chips oder wo auch immer. Im Keller ist die Reproduktion von solchen Weinen fast nicht zu bewerkstelligen, ausser durch die Anwendung von Mostkonzentrat. Dieses Konzentrat ist nicht überall verboten. Seit einigen Jahren hat der Restzucker auch bei den Rotweinen eine immer grössere Bedeutung erlangt. Selbst in geringen Mengen übertönt er mangelnde Reife und leichte Fehler und die Weine kommen geschliffen und trinkfreudig daher.

Während der Jahrgang 2014 – zum Teil schon in der Flasche – zu einem druckvollen und komplexen Jahrgang heranreift, der vermutlich lange lagerfähig sein wird, zeichnet sich der 2015er durch seine Fruchtigkeit, Reife und Eleganz aus. Bereits bei der Vorfiltration im Januar hatte ich den Eindruck, diesen Pinot noir könnte man jetzt gleich auf die Flasche füllen. Insgesamt sind die Weine wegen des hohen Zuckergehaltes etwas alkoholreicher.

Wie sich jedoch die Lagerfähigkeit entwickelt wird sich weisen. Es würde mich nicht überaschen, wenn der 2015 schneller genussreif ist als dies der 2014 zur Zeit ist.

Verschiedenes

In den vergangenen Jahren hat sich der Sortenspiegel auf meinem Betrieb markant verschoben. So habe ich mich mit Stockveredelungen auch auf Modetrends eingelassen, in dem ich suboptimale Syrah und Humagne rouge Parzellen durch Malbec und Merlot ersetzt habe. Auch habe ich Pachtparzellen durch Auflösung verloren. Dies wird sich somit auch auf mein Angebot auswirken. Eine Straffung der Preisliste ist über kurz oder lang nicht zu vermeiden. Betroffen sind folgende Weine: Fendant, Dôle, Cuvée rouge no.4 und eventuell ein Produkt mit Pinot noir.

Da ich in diesem Jahr wenig Fendant und Johannisberg hatte, werden diese Weine nur noch in der 75cl Flasche angeboten.

Qualität und Rückgaberecht

Sollten Sie fehlerhaften Wein im Keller haben, bitte ich Sie um Entschuldigung. Ich ersetze Ihnen selbstverständlich diese Flaschen, was übrigens auch immer für Weine mit Korkengeschmack gilt. Machen Sie also nicht die Faust im Sack, ich stehe für meine Produkte ein. Nach wie vor biete ich einen 6 er oder 12 er Degustationskarton zu einem Sonderpreis an, so können Sie sich von der Qualität der aktuellen Jahrgänge auch zu Hause und beim Essen überzeugen.

 

In diesem Sinne, à votre santé

Jürg Biber

Salgesch, März 2016

Geschrieben am in Jahresberichte

Jahresbericht 2014

 

Sehr geehrte Kundinnen und Kunden

2014 feiert der Grand Cru Salgesch sein 25 jähriges Bestehen. Was seinerzeit die Salgescher Winzer mit dem ersten Schweizer Grand Cru lanciert haben, war der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Viele Weinbaugemeinden in der Schweiz haben in der Folge das Modell kopiert, doch ich wage zu behaupten, dass keine andere Produktionsgemeinde so ein restriktives Grand Cru Reglement hat wie Salgesch.

Der springende Punkt dabei ist die Flaschendegustation. Der Wein muss also bereits abgefüllt sein, wenn ein Kommissionsmitglied ein Muster aus den Gittern nimmt. Eine Fachjury degustiert nun die Weine und bewertet diese. Oftmals schaffen nur die Hälfte oder Zweidrittel der Muster die Degustationshürde.

Andere Gemeinden kennen nur die Tankdegustation und winken praktisch alle Weine durch die Beurteilung. Danach werden diese Weine in schicke Grand Cru Flaschen abgefüllt und je nach Traubensorte sogar unter 12 Franken verscherbelt. Hier ist der Grand Cru zu einem reinen Marketinginstrument ohne Glaubwürdigkeit verkommen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich die Politik mit einem kantonalen Reglement einmischt. Dies ist nun geschehen, doch die Situation hat sich dadurch keineswegs verbessert, vielmehr hat der Kanton die Aufweichung der Reglemente sanktioniert und fordert eine einheitliche Flasche für das ganze Wallis.

Natürlich darf das Gemeindereglement von Salgesch durchaus schärfer als das kantonale sein, doch die Vorgabe der Flasche wiegt in diesem Fall schwer. Was passiert mit einem abgefüllten Wein in der Grand Cru Flasche, der danach die Degustationshürde nicht meistert? Die Flaschendegustation in Salgesch wird nicht mehr durchsetzbar sein und das hohe Niveau des Salgescher Grand Cru kann nicht mehr gehalten werden.

Ein neues Produkt oder vielmehr eine neue Bezeichnung drängt sich also auf, bei dem kompromissloses Qualitätsdenken wieder im Vordergrund steht. Bereits sind erste Ideen da und es wird sich weisen, wohin diese Reise führen wird.

Das Rebjahr 2013

Die Jahre mit spätem Austrieb sind mir eigentlich lieber als die frühen. Frost ist kein Thema und in der Regel ist die Blüte im Juni besser als im Mai und schlussendlich ist der Erntezeitpunkt auch nicht zu früh. An und für sich verlief alles wunderbar, wenn da nicht der Kälteeinbruch in der Vollblüte gewesen wäre. Die Rebe ist ein Selbstbefruchter und zwingend auf milde Temperaturen während der Blüte angewiesen. Nur so kann sich der Keimschlauch der Pollen ausbilden und in die Samenanlage wachsen. Doch genau dies wurde durch die tiefen Temperaturen verhindert. Betroffen waren praktisch alle Sorten, aber auch lagenbedingte Unterschiede wurden sichtbar.

Normaler Weise vermag ein etwas lockerer Behang die Menge auszugleichen indem sich die einzelnen Beeren weniger berühren und dadurch grösser werden. Doch 2013 wurde diese Grenze deutlich überschritten. Die Einbussen betrugen beim Pinot 25-30% und bei dem Spezialitäten bis 50%. Stark betroffen waren Chardonnay, Cornalin, Malbec, Merlot und Cabernet.

Bezüglich Pflanzenschutz war das 2013 unproblematisch. Eine Hektare haben wir versuchsweise mit Bioprodukten behandelt und der Erfolg war ausgezeichnet, so dass wir für dieses Jahr die Fläche ausdehnen werden.

In zwei Parzellen haben wir Stockveredelungen gemacht. Dabei wird am Stamm einer alten Rebe ein neues Auge eingesetzt. Das hat bestens funktioniert und wir können bereits in diesem Jahr mit einem Vollertrag mit der neuen Sorte rechnen. In der einen Parzelle haben wir Malbec auf Syrah aufgepfropft und in der anderen Merlot auf Pinot.

Die Festlegung des Erntezeitpunktes ist einer der wichtigsten Parameter für die künftige Weinqualität. Normalerweise mache ich dies über die Aromatik der Beeren, d.h. ich gehe durch die Rebparzellen und teste den Geschmack der Beeren. Daneben gibt es aber auch klare physiologische Merkmale für die Vollreife. Namentlich sollten die Kerne schön braun und somit ausgereift sein, aber auch die Stielansätze der Trauben sollten 2 -3 cm zur Rute hin verholzt sein. Und nicht zu vergessen der Zuckergehalt in Oechsle gemessen.

Gegenüber den vergangenen Jahren hatten wir im Herbst einen optimalen Erntebeginn. Die Zeitspanne zwischen Rebenblüte und Erntebeginn betrug deutlich mehr als 100 Tage. So kann damit gerechnet werden, dass die Bouquet- und Aromastoffe in den Beeren voll ausgereift sind. Durch den geringen Traubenbehang ist die Endausreife sehr schnell verlaufen und obwohl der Austrieb 20 Tage später war, haben wir zum Teil früher geerntet als im Vorjahr.

Oenologie und Weinjahr im 2013

Bekanntlich halten sich Menge und Güte die Waage, je geringer der Ertrag desto dichter werden die Weine. Von daher ist der 2013er ein aussergewöhnlicher Jahrgang. Trotz des geringen Ertrages war die Säure da und dies drückt sich nun auch in sehr farbintensiven Weinen aus.

Die Rezepturen bei der Weissweinbereitung sind seit Jahren unverändert, der Fendant wird direkt gepresst und bei den Spezialitäten arbeite ich mit einer Mazeration von 24 Stunden, damit sich das Traubengut besser auspressen lässt. Alle Weissweine vinifiziere ich ohne den biologischen Säureabbau. Bei den barriquierten Weissweinen beträgt die Kaltmazeration durchaus mal einige Tage, damit die Weine eine interne Tanninstruktur aufweisen, die nicht vom Holz stammt und dadurch nicht von der holzigen Barriquenote „erschlagen“ wird.

Bei den roten Spezialitäten sind die Kelterungsstrategien unterschiedlicher und den jeweiligen Sorten angepasst. Nach mittlerweile acht Jahren im Wallis konnte ich nun verschiedene Erfahrungen bei der Vinifizierung sammeln und diese fliessen vermehrt in eine individuelle Behandlung der Spezialitäten ein. Grundsätzlich arbeite ich in Richtung Fruchtigkeit der Weine, ausser bei den Cuvées no.2,no.3 und dem Merlot, wo ich die Komplexität bevorzuge.

Die wesentlichen Unterschiede finden sich bei den Mazerationszeiten, sowohl vor wie nach der abgeschlossenen Gärung, der Gärführung mit ihrer maximalen Temperatur, der Auswahl der Reinzuchthefe nach begonnener Wildgärung, sowie dem Zeitpunkt der Pressung. Seit dem vergangenen Herbst habe ich im Keller auch die Möglichkeit die Maische vor oder nach der Gärung zu erwärmen. Dies führt noch zu einer stärkeren Extraktion des Traubengutes und sollte dadurch noch komplexere Weine erbringen.

Vor drei Jahren haben drei Winzerkollegen und ich einen Hightech Querstromfilter angeschafft. Dieser erlaubt eine Filtration ohne Verluste und Abfälle wie Kieselgur oder Filterschichten. Die Filterleistung ist phänomenal und eine echte Arbeitserleichterung im Keller. Die Weine werden absolut brillant, so dass ich mich heute frage, ob die Filtration  nicht zu scharf ist. Auf jeden Fall stelle ich seitdem eine vermehrte Weinsteinaus-scheidung in der Flasche fest. Die Ablagerung sollte an sich im Tank erfolgen, doch scheinbar wird dies verzögert und tritt erst in der Flasche auf. Bis jetzt habe ich auf eine künstliche Stabilisierung mit Methaweinsäure verzichtet, weil die Stabilität nur für einen Zeitraum von 18 Monaten gewährleistet ist.

Verschiedenes

Der Weinverkauf ist im vergangenen Jahr gut gelaufen. An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an alle treuen Kundinnen und Kunden. Dies hatte aber auch zur Folge, dass einzelne Weine ausverkauft waren und die Kontinuität bei Lieferungen nicht immer gewährleistet werden konnte. Da ich aber weiterhin nicht von meiner Philosophie abweichen werde und nur selber produziertes Traubengut verarbeite, sind halt  einige Produkte nur beschränkt verfügbar. Für das Verkaufsjahr 2014 wird sich da sicherlich nichts ändern, im Gegenteil. Namentlich betroffen sind der Chardonnay, Heida bei den Weißweinen, sowie einige 50cl Flaschen bei den roten Spezialitäten und der Malbec im Besonderen.

Für mich ist es unmöglich die ganze Ernte in Flaschen selber an Private zu verkaufen. Seit geraumer Zeit arbeite ich daher mit Wiederverkäufern zusammen. Diese nehmen mir viel Arbeit ab und ich kann mich um die Produktion der Weine kümmern. Einige dieser Wiederverkäufer sind darauf aus Unikate zu verkaufen. So erhalten Sie z.B. den Cornalin Réserve nur bei Hischier Weine in Brig oder Sélection Widmer in Eschenbach. Neu ist auch ein Merlot Réserve für PoesieWeine in Beckenried.

Qualität und Rückgaberecht

Sollten Sie fehlerhaften Wein im Keller haben,bitte ich Sie um Entschuldigung. Ich ersetze Ihnen selbstverständlich diese Flaschen, was übrigens auch immer für Weine mit Korkengeschmack gilt. Machen Sie also nicht die Faust im Sack, ich stehe für meine Produkte ein. Nach wie vor biete ich einen 6 er oder 12 er Degustationskarton zu einem Sonderpreis an, so können Sie sich von der Qualität der aktuellen Jahrgänge überzeugen.

In diesem Sinne, à votre santé

 Jürg Biber

Salgesch, April 2014