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Jahresbericht 2014

 

Sehr geehrte Kundinnen und Kunden

2014 feiert der Grand Cru Salgesch sein 25 jähriges Bestehen. Was seinerzeit die Salgescher Winzer mit dem ersten Schweizer Grand Cru lanciert haben, war der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Viele Weinbaugemeinden in der Schweiz haben in der Folge das Modell kopiert, doch ich wage zu behaupten, dass keine andere Produktionsgemeinde so ein restriktives Grand Cru Reglement hat wie Salgesch.

Der springende Punkt dabei ist die Flaschendegustation. Der Wein muss also bereits abgefüllt sein, wenn ein Kommissionsmitglied ein Muster aus den Gittern nimmt. Eine Fachjury degustiert nun die Weine und bewertet diese. Oftmals schaffen nur die Hälfte oder Zweidrittel der Muster die Degustationshürde.

Andere Gemeinden kennen nur die Tankdegustation und winken praktisch alle Weine durch die Beurteilung. Danach werden diese Weine in schicke Grand Cru Flaschen abgefüllt und je nach Traubensorte sogar unter 12 Franken verscherbelt. Hier ist der Grand Cru zu einem reinen Marketinginstrument ohne Glaubwürdigkeit verkommen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich die Politik mit einem kantonalen Reglement einmischt. Dies ist nun geschehen, doch die Situation hat sich dadurch keineswegs verbessert, vielmehr hat der Kanton die Aufweichung der Reglemente sanktioniert und fordert eine einheitliche Flasche für das ganze Wallis.

Natürlich darf das Gemeindereglement von Salgesch durchaus schärfer als das kantonale sein, doch die Vorgabe der Flasche wiegt in diesem Fall schwer. Was passiert mit einem abgefüllten Wein in der Grand Cru Flasche, der danach die Degustationshürde nicht meistert? Die Flaschendegustation in Salgesch wird nicht mehr durchsetzbar sein und das hohe Niveau des Salgescher Grand Cru kann nicht mehr gehalten werden.

Ein neues Produkt oder vielmehr eine neue Bezeichnung drängt sich also auf, bei dem kompromissloses Qualitätsdenken wieder im Vordergrund steht. Bereits sind erste Ideen da und es wird sich weisen, wohin diese Reise führen wird.

Das Rebjahr 2013

Die Jahre mit spätem Austrieb sind mir eigentlich lieber als die frühen. Frost ist kein Thema und in der Regel ist die Blüte im Juni besser als im Mai und schlussendlich ist der Erntezeitpunkt auch nicht zu früh. An und für sich verlief alles wunderbar, wenn da nicht der Kälteeinbruch in der Vollblüte gewesen wäre. Die Rebe ist ein Selbstbefruchter und zwingend auf milde Temperaturen während der Blüte angewiesen. Nur so kann sich der Keimschlauch der Pollen ausbilden und in die Samenanlage wachsen. Doch genau dies wurde durch die tiefen Temperaturen verhindert. Betroffen waren praktisch alle Sorten, aber auch lagenbedingte Unterschiede wurden sichtbar.

Normaler Weise vermag ein etwas lockerer Behang die Menge auszugleichen indem sich die einzelnen Beeren weniger berühren und dadurch grösser werden. Doch 2013 wurde diese Grenze deutlich überschritten. Die Einbussen betrugen beim Pinot 25-30% und bei dem Spezialitäten bis 50%. Stark betroffen waren Chardonnay, Cornalin, Malbec, Merlot und Cabernet.

Bezüglich Pflanzenschutz war das 2013 unproblematisch. Eine Hektare haben wir versuchsweise mit Bioprodukten behandelt und der Erfolg war ausgezeichnet, so dass wir für dieses Jahr die Fläche ausdehnen werden.

In zwei Parzellen haben wir Stockveredelungen gemacht. Dabei wird am Stamm einer alten Rebe ein neues Auge eingesetzt. Das hat bestens funktioniert und wir können bereits in diesem Jahr mit einem Vollertrag mit der neuen Sorte rechnen. In der einen Parzelle haben wir Malbec auf Syrah aufgepfropft und in der anderen Merlot auf Pinot.

Die Festlegung des Erntezeitpunktes ist einer der wichtigsten Parameter für die künftige Weinqualität. Normalerweise mache ich dies über die Aromatik der Beeren, d.h. ich gehe durch die Rebparzellen und teste den Geschmack der Beeren. Daneben gibt es aber auch klare physiologische Merkmale für die Vollreife. Namentlich sollten die Kerne schön braun und somit ausgereift sein, aber auch die Stielansätze der Trauben sollten 2 -3 cm zur Rute hin verholzt sein. Und nicht zu vergessen der Zuckergehalt in Oechsle gemessen.

Gegenüber den vergangenen Jahren hatten wir im Herbst einen optimalen Erntebeginn. Die Zeitspanne zwischen Rebenblüte und Erntebeginn betrug deutlich mehr als 100 Tage. So kann damit gerechnet werden, dass die Bouquet- und Aromastoffe in den Beeren voll ausgereift sind. Durch den geringen Traubenbehang ist die Endausreife sehr schnell verlaufen und obwohl der Austrieb 20 Tage später war, haben wir zum Teil früher geerntet als im Vorjahr.

Oenologie und Weinjahr im 2013

Bekanntlich halten sich Menge und Güte die Waage, je geringer der Ertrag desto dichter werden die Weine. Von daher ist der 2013er ein aussergewöhnlicher Jahrgang. Trotz des geringen Ertrages war die Säure da und dies drückt sich nun auch in sehr farbintensiven Weinen aus.

Die Rezepturen bei der Weissweinbereitung sind seit Jahren unverändert, der Fendant wird direkt gepresst und bei den Spezialitäten arbeite ich mit einer Mazeration von 24 Stunden, damit sich das Traubengut besser auspressen lässt. Alle Weissweine vinifiziere ich ohne den biologischen Säureabbau. Bei den barriquierten Weissweinen beträgt die Kaltmazeration durchaus mal einige Tage, damit die Weine eine interne Tanninstruktur aufweisen, die nicht vom Holz stammt und dadurch nicht von der holzigen Barriquenote „erschlagen“ wird.

Bei den roten Spezialitäten sind die Kelterungsstrategien unterschiedlicher und den jeweiligen Sorten angepasst. Nach mittlerweile acht Jahren im Wallis konnte ich nun verschiedene Erfahrungen bei der Vinifizierung sammeln und diese fliessen vermehrt in eine individuelle Behandlung der Spezialitäten ein. Grundsätzlich arbeite ich in Richtung Fruchtigkeit der Weine, ausser bei den Cuvées no.2,no.3 und dem Merlot, wo ich die Komplexität bevorzuge.

Die wesentlichen Unterschiede finden sich bei den Mazerationszeiten, sowohl vor wie nach der abgeschlossenen Gärung, der Gärführung mit ihrer maximalen Temperatur, der Auswahl der Reinzuchthefe nach begonnener Wildgärung, sowie dem Zeitpunkt der Pressung. Seit dem vergangenen Herbst habe ich im Keller auch die Möglichkeit die Maische vor oder nach der Gärung zu erwärmen. Dies führt noch zu einer stärkeren Extraktion des Traubengutes und sollte dadurch noch komplexere Weine erbringen.

Vor drei Jahren haben drei Winzerkollegen und ich einen Hightech Querstromfilter angeschafft. Dieser erlaubt eine Filtration ohne Verluste und Abfälle wie Kieselgur oder Filterschichten. Die Filterleistung ist phänomenal und eine echte Arbeitserleichterung im Keller. Die Weine werden absolut brillant, so dass ich mich heute frage, ob die Filtration  nicht zu scharf ist. Auf jeden Fall stelle ich seitdem eine vermehrte Weinsteinaus-scheidung in der Flasche fest. Die Ablagerung sollte an sich im Tank erfolgen, doch scheinbar wird dies verzögert und tritt erst in der Flasche auf. Bis jetzt habe ich auf eine künstliche Stabilisierung mit Methaweinsäure verzichtet, weil die Stabilität nur für einen Zeitraum von 18 Monaten gewährleistet ist.

Verschiedenes

Der Weinverkauf ist im vergangenen Jahr gut gelaufen. An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an alle treuen Kundinnen und Kunden. Dies hatte aber auch zur Folge, dass einzelne Weine ausverkauft waren und die Kontinuität bei Lieferungen nicht immer gewährleistet werden konnte. Da ich aber weiterhin nicht von meiner Philosophie abweichen werde und nur selber produziertes Traubengut verarbeite, sind halt  einige Produkte nur beschränkt verfügbar. Für das Verkaufsjahr 2014 wird sich da sicherlich nichts ändern, im Gegenteil. Namentlich betroffen sind der Chardonnay, Heida bei den Weißweinen, sowie einige 50cl Flaschen bei den roten Spezialitäten und der Malbec im Besonderen.

Für mich ist es unmöglich die ganze Ernte in Flaschen selber an Private zu verkaufen. Seit geraumer Zeit arbeite ich daher mit Wiederverkäufern zusammen. Diese nehmen mir viel Arbeit ab und ich kann mich um die Produktion der Weine kümmern. Einige dieser Wiederverkäufer sind darauf aus Unikate zu verkaufen. So erhalten Sie z.B. den Cornalin Réserve nur bei Hischier Weine in Brig oder Sélection Widmer in Eschenbach. Neu ist auch ein Merlot Réserve für PoesieWeine in Beckenried.

Qualität und Rückgaberecht

Sollten Sie fehlerhaften Wein im Keller haben,bitte ich Sie um Entschuldigung. Ich ersetze Ihnen selbstverständlich diese Flaschen, was übrigens auch immer für Weine mit Korkengeschmack gilt. Machen Sie also nicht die Faust im Sack, ich stehe für meine Produkte ein. Nach wie vor biete ich einen 6 er oder 12 er Degustationskarton zu einem Sonderpreis an, so können Sie sich von der Qualität der aktuellen Jahrgänge überzeugen.

In diesem Sinne, à votre santé

 Jürg Biber

Salgesch, April 2014