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Jahresbericht 2018

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Sehr geehrte Kundinnen und Kunden

Seit vor über 150 Jahren der Mehltau aus Amerika eingeschleppt wurde, ist der Pflanzenschutz im Rebbau ein Dauerthema. Anfangs spritzte man Kupfer und Schwefel gegen die Pilze und davon konnte es gar nie genug sein, selbst heute sieht man noch türkisfarbene Reben (vom Kupfer). Da Kupfer ein Schwermetall ist, reichert sich dieses im Boden an und der Gehalt steigt von Jahr zu Jahr. Bald einmal wurde klar, dass es so nicht weitergehen kann, denn die Setzlinge bei Neupflanzungen hatten Mühe zu wachsen oder sind einfach eingegangen. Das Kupfer verätzt die Wurzelhaare und der Setzling kann so weder Wasser noch Nährstoffe aufnehmen. Die Lösung des Problems schien mit der Einführung von synthetischen Pflanzenschutzmitteln in greifbare Nähe zu rücken. Wo früher 5 Kilo reines Kupfer pro Hektare verwendet wurde, reichten nun 500 Gramm. Die synthetischen Mittel hatten einen ganz anderen Ansatz zur Bekämpfung der Pilze und Kupfer wurde nun viel später im Jahr und in wesentlich geringeren Dosen eingesetzt.

Mittlerweile sind Bestrebungen im Gang diese synthetischen Mittel zu verbieten. Den Alarm haben vorwiegend die Untersuchungen in Gewässern ausgelöst. Heute können im Wasser des Genfersees über 3000 !! verschiedene chemische Verbindungen nachgewiesen werden. Medikamente im Abwasser, die Industrie und die Landwirtschaft, alle haben sie ihren Anteil an der Verschmutzung. Während die Industrie längst in der Pflicht steht, folgt nun die Landwirtschaft und ich frage mich, wann die heilige Kuh Pharma folgt und man seinen Urin an speziellen Sammelstellen abgeben muss.

Ein grosser Nachteil beim Pflanzenschutz im Rebbau besteht darin, dass nur präventiv behandelt werden kann. Ist der Befall einmal da, gibt es praktisch keine Möglichkeit mehr dies zu korrigieren. Seit sieben Jahren appliziere ich nun fast ausschliesslich biologische Produkte und die Pflanzenschutz Strategie ist auch eine ganz andere. Namentlich geht es darum, dass die Rebe in ihrer Ernährung absolut stressfrei ist und die notwendigen Mikronährstoffe erhält, dadurch ist sie gesünder und weniger anfällig auf Krankheiten. Diese Mittel bestehen aus Steinmehlen, aufbereiteten Algen- und Milchprodukten. Doch nach wie vor kommt immer auch noch Schwefel und Kupfer zum Einsatz, wobei die ausgebrachte Menge stark in Relation zur Niederschlagsmenge steht und somit von Jahr zu Jahr schwankt. In sehr feuchten Jahren kommt diese Strategie an ihre Grenzen und aus gutem Grund ist mein Betrieb auch nicht Bio zertifiziert. In diesen nassen Jahren verwende ich bei den anfälligen Sorten wie Chardonnay, Johannisberg, Pinot noir und Humagne rouge gezielt ein synthetisches Produkt gegen die Traubenfäulnis. Letztlich ist es halt so, dass nur aus gesundem und einwandfreiem Traubengut qualitativ hochstehende Weine gekeltert werden können.

So zu arbeiten heisst, schnell auf Niederschläge (Bewässerung) und Temperaturen zu reagieren. Eine solche Strategie benötigt in der Regel eine bis zwei Spritzungen mehr als die mit synthetischen Produkten, da die Intervalle kürzer sind. Das schizophrene an der Sache ist, dass es im Biolandbau keine Energiebilanz gibt. Will heissen, man darf so oft und so viel mit dem Traktor fahren und Sprit verbrauchen wie man will, denn dieser erscheint in keiner Bilanz, aber jedes Gramm synthetische Mittel führt unmittelbar zur Abstrafung.

Das Rebjahr 2018

Das 2018 war vom Pflanzenschutz her absolut unproblematisch. Die grosse Trockenheit während der Vegetation und die hohe Temperatursumme liessen die Pilze gar nicht erst keimen. Auch die Kirschessigfliege mag die Hitze nicht, sie war wie inexistent. Hinzu kam der gute Wasservorrat im Boden, plus die Schneemenge in der Höhe, die immer wo notwendig, auch eine Bewässerung zuliess. Nur so zum sagen, Südfrankreich erlebte ein Desaster, die, die sonst wegen der Trockenheit mit ein bis zwei Spritzungen auskommen, wurden von der Nässe derart überrascht, dass der Mehltau freie Bahn hatte und Ernteeinbussen von 60 bis 100% waren die Folge.

Unsere Herausforderung bestand in der Traubenmenge. Dort wo die Reben im 2017 stark unter dem Frost gelitten hatten, hat die Natur sofort eingegriffen und einen enormen Traubenschuss hervorgebracht. Zwei Trauben pro Schoss sind normal, doch im 2018 konnte man bis vier beobachten. Dies war jedoch nicht das eigentliche Problem, denn die dritte und vierte Traube werden eh entfernt. Durch den guten Blühtenverlauf hatte es zudem viel mehr Beeren pro Traube und auch das Traubengerüst war grösser als normal.

Wir lassen ja jedes Jahr gleich viele Trauben pro Quadratmeter an den Stöcken und so kann man auch immer von einem regelmässigen Ertrag ausgehen. Im Sommer hatte ich schon des Gefühl, „momol das gibt einen flotten Ertrag“ und man sieht mit Freude der Ernte entgegen, zumal ich ja im 2017 über 50% wegen dem Frost verloren hatte. Bei etlichen Parzellen haben wir natürlich den Ertrag regulieren müssen und doch wurden wir bei der Ernte überrascht. Das einzelne Traubengewicht war deutlich höher als dies üblich ist. Ein Beispiel, bei Pinot noir liegt dieses Gewicht je nach Klon bei ca. 180 Gramm pro Traube, doch dieses Jahr hatten diese Trauben ein Gewicht von 240 bis 250 Gramm. Diesen Effekt hatte ich völlig unterschätzt und letztlich hatte ich fast in allen Parzellen einen unbeabsichtigten Vollertrag.

Oenologie und Weinjahr im 2018

Zucker ist natürlich nur ein Parameter, der die Reife ausdrückt. Eben so entscheidend sind Merkmale der physiologischen Reife, d.h. die Stielansätze der Trauben müssen verholzt sein und die Traubenkerne müssen eine braune Farbe aufweisen. Genau diese Merkmale waren im Herbst 2018 deutlich ausgeprägt. Dies lässt den Rückschluss zu, betreffend der Reife von Phenolen und der Tanine. Die Säure und der Säuregrad (pH) haben ebenfalls einen entscheidenden Einfluss auf die Mostqualität. Doch dies hier genauer zu beschreiben sprengt den Rahmen. Etwas salop ausgedrückt, je höher die Säure und je tiefer das pH, um so besser ist die Farbausbeute bei den Rotweinen und um so stabiler verhalten sich die Weine generell.

Der letzte Punkt, der einen guten Grundwein verspricht, ist der Gesundheitszustand der Trauben. Also weder Fäulnis noch andere Pilzkrankheiten, kein Wespen- oder Vogelfrass und auch keine Kirschessigfliegen. Die Fliegen waren wegen des anhaltend trockenen Wetters eh kein Thema, denn diese mögen es feucht und eher kühl. Kurz und gut, sämtliches Traubengut im vergangenen Herbst war der Hammer.

Im Keller war ich gefordert, die Traubenlieferungen wollten nicht enden und die Grenze der Kellerkapazität wurde bald einmal erreicht. Durch die hohen Temperaturen wurden die Trauben warm angeliefert und die Tankkühlung lief unentwegt, um sofortige Spontangärungen zu verhindern. Für gewöhnlich lagere ich die rote Maische für ca. eine Woche bei niedrigen Temperaturen, bevor ich die Spontangärung kommen lasse. Dadurch ist die Farbausbeute bereits weit fortgeschritten, bevor die Gärung überhaupt in Gang kommt. Wird die Gärung bei tieferen Temperaturen begonnen, wird die Gärführung und Kontrolle der Temperatur einfacher und die Maische brennt nicht einfach durch.

Das schöne und warme Herbstwetter hatte aber auch Auswirkungen auf den Gehalt der Apfelsäure in den Trauben. Ein grosser Teil davon wurde schon in den Beeren veratmet, so dass deren Anteil im Most gering war. Normalerweise wird die Apfelsäure nach dem Pressen der Maische in einer zweiten Gärung, dem sog. Bakteriellen Säureabbau (BSA) in Milchsäure umgewandelt. Dieser Prozess dauert in der Regel mehrere Wochen. Doch bei den meisten Weinen war dieser nach dem Pressen bereits abgeschlossen. Ein Phänomen, das ich so noch nie beobachtet habe.

Bei den Weissweinen ist dies allerdings ein Problem, denn dort möchte ich keinen BSA, ich bevorzuge die Weissweine mit einer frischen, knackigen Säure. Trotz eher tiefen Gärtemperaturen setzte hier der BSA teilweise ein. Wegen der starken Nachfrage nach Heida, habe ich bereits im November einen Teil davon abgefüllt, etwas wogegen ich mich in der Vergangenheit immer gesträubt habe.

Verschiedenes

Die Spatzen pfeifen es längst vom Dach, der Jahrgang 2018 ist etwas ganz besonderes, so wie es vielleicht in dreissig Jahren nur einmal vorkommt. Normalerweise halten sich Ertrag und Qualität die Waage, beim 2018er ist jedoch beides herausragend.

Da ich bei allen Rotweinen eine Passage im Holzfass mache, muss nun in den Fässern Platz geschaffen werden um den Jahrgang 2018 unter zu bringen. Ich habe mich daher entschlossen etliche Weine in einer 12 für 10 Aktion für Privatkunden zu verkaufen. Bitte beachten Sie unsere Preisliste oder unsere Webseite. Was ich nicht machen möchte ist, einen solchen Jahrgang tankweise zu verkaufen, zumal diese Preise für Offenweine zusammengefallen sind.

Qualität und Rückgaberecht

Sollten Sie fehlerhaften Wein im Keller haben, bitte ich Sie um Entschuldigung. Ich ersetze Ihnen selbstverständlich diese Flaschen, was übrigens auch immer für Weine mit Korkengeschmack gilt. Machen Sie also nicht die Faust im Sack, ich stehe für meine Produkte ein. Nach wie vor biete ich einen 6 er oder 12 er Degustationskarton zu einem Sonderpreis an, so können Sie sich von der Qualität der aktuellen Jahrgänge auch zu Hause und beim Essen überzeugen.

In diesem Sinne, à votre santé

Jür Biber

Salgesch, März 2019