Jahresbericht 2019

Sehr geehrte Kundinnen und Kunden

Das Jahr 2019 war für mich in vielerlei Hinsicht herausfordernd. Zum Einen war da die Kündigung meiner langjährigen Mitarbeiter, die sich nun in die Selbständigkeit begeben haben und zum Anderen eine persönliche Schaffenskrise.

Im Rebbau sind langjährige gute Mitarbeiter in den Reben der Garant für eine erfolgreiche Ernte. Denn sie sind es die jede Ecke in den Parzellen kennen und täglich in den Reben sind. Sie sehen als erste und oftmals als einzige die Probleme kommen und registrieren die ersten Anzeichen von Krankheiten und Schädlingen, Wassermangel usw. auf die es danach sofort zu reagieren gilt. Sie sind es die jeden einzelnen Stock bearbeiten und duzis sind mit den Reben. Auch eine regelmässig Kontrolle in den Reben von meiner Seite, vermag das niemals abzudecken.

Zum Glück konnte ich den Abgang meiner Mitarbeiter durch eine überbetriebliche Zusammenarbeit lösen. Wir sind nun vier Kellereien die über ein gemeinsames Rebteam verfügen das durch einen Agronomen geleitet wird. Es gibt nur noch einen Maschinenpark und alle Maschinen und Geräte kommen auf allen Betrieben zum Einsatz. Dies alles macht Sinn und ist sicherlich auch ein Modell für die Zukunft.

Im vergangenen Herbst hatte ich eine echte Schaffenskrise, lustlos und unmotiviert die bevorstehende Ernte einzubringen. Doch Krisen beinhalten immer auch Chancen und Möglichkeiten. Ich habe mich gefragt, warum stellst du nicht alles auf den Kopf und suchst nicht nach neuen und ganz anderen Lösungsansätzen bei der Vinifizierung. Also die berühmt und berüchtigte neue Herausforderung.

Ich habe zwar nur einen kleinen Keller, doch dieser verfügt über eine   gute technische und moderne Ausrüstung und lässt somit viele Varianten bei der Weinbereitung zu. Dies gab mir den notwendigen Kick neues auszuprobieren und umzusetzen. Jedenfalls war ich wieder voll motiviert und auch begeistert von den Resultaten die gewisse Versuche hervorbrachten. Von jedem Tank habe ich täglich Muster gezogen und mit den Vortagen verglichen, so konnte ich jede Intervention nachvollziehen und sehen was sie gebracht hat, oder eben auch nicht gebracht h

Das Rebjahr 2019

2019 war für die Winzer ein anspruchsvolles Jahr. Das schöne Wetter im Februar und März sorgte für einen frühzeitigen Beginn der Vegetation, diese verlangsamte sich jedoch drastisch aufgrund der kühlen Bedingungen im Mai- So begann die Blüte eine Woche später als im Zehnjahresdurchschnitt. Die hohen Temperaturen im Juni und Juli bescherten den Reben ein üppiges Wachstum. Im Sommer hatten wir zahlreiche Gewitter, was den Reben genügend Wasser brachte und die Bewässerung war weniger ein Thema als noch im Sommer 2018.

Die Feuchtigkeit hatte aber auch ihre Kehrseiten. Denn die Niederschläge in Kombination mit der sommerlichen Wärme schuf geradezu ideale Bedingungen für die Pilzkrankheiten, allen voran den Falschen Mehltau, der üblicher Weise im Wallis keine grosse Gefahr darstellt. An den Niederschlägen hatte auch die Begrünung Freude, das Kraut war in vergangenen Sommer fast nicht zu bändigen. Am hohen und feuchten Kraut hat auch die Kirschessigfliege seine Freude und obwohl sie keine wirkliche Gefahr war, so war sie doch ein Thema bei den spätreifenden Sorten, namentlich beim Humagne rouge.

Durch das sonnige und trockene Wetter im September konnte die Heterogenität bei den Reifestadien ausgeglichen werden. Auch war der Behang wegen der eher schlechten Blüte nicht all zu gross. Aber da der Kanton erneut die Erntemengen nach unten korrigiert hat, mussten wir in einigen Parzellen den Ertrag beschränken.

Im Kanton wurden gegenüber dem 2018 etwa 13% weniger Trauben geerntet. Bei mir war die Menge etwa 35% geringer, was aber auch daran lag, dass ich wegen den Vorräten nicht alle Trauben selber gekeltert habe.

 Oenologie und Weinjahr im 2019

Der Zuckergehalt war gegenüber dem 2018 geringfügig tiefer. Dafür hatten wir wieder einmal ein „normales“ Jahr bezüglich Reifezeitpunkt. Normalerweise geht man beim Pinot noir davon aus, dass zwischen Blüte- und Erntezeitpunkt 100 bis 105 Tage liegen sollten. Dies war bei allen Sorten klar der Fall. Bouquet- und Aromastoffe konnten sich also voll ausbilden, dies war in den vergangenen Jahren nicht immer so. Auch war der Säuregehalt wieder einmal auf einem guten Niveau, will heissen nicht zu tief.

Bei den Weissweinen gab es keine wesentlichen Änderungen in der Vinifizierung. Neu ist einzig, dass nun alle Weissweine vegan sind, da ich auf den Einsatz von Gelatine ganz verzichtet habe. Entsprechende Versuche im vergangenen Jahr haben gezeigt, dass es auch ohne geht. Das neue Mittel um die Bitterstoffe binden ist nun auf rein pflanzlicher Basis. Einzig der Chardonnay bildet hier eine gewisse Ausnahme. Bei ihm habe ich nach Abschluss der Gärung, intensiv mit der Hefe gearbeitet und bis heute auch nicht filtriert. Ziel und Zweck der Übung ist mehr Schmelz und Breite im Gaumen und insgesamt mehr Komplexizität.

Die wesentlichen Neuerungen haben bei der Vinifizierung der Rotweine stattgefunden. Zum einem habe ich Versuche gemacht und mal im ersten Stadium auf Schwefel verzichtet. Zu diesem Zweck wird eine Primaflora eingesetzt die unerwünschte Bakterien und Hefekulturen unterdrückt. Der Schwefel kommt dann erst nach dem Pressen der Maische zum Einsatz und dies erst noch in geringeren Mengen.

Neu ist auch, dass ich die Traubenstiele mitvergoren habe, wobei deren Anteil je nach Sorte variiert. Auf das Übersprayen und Durchmischen der Maische während der Gärung habe ich ganz verzichtet und einzig die Temperatur überwacht. Quasi mains dans la poche und mal schauen was passiert bis die Gärung abgeschlossen ist. Erst danach wurden die Jungen Weine erwärmt um die Extraktion ab zu schliessen.

Neu ist auch das Beladen der Presse, wo ich früher mit der Pumpe die Presse gefüllt habe, so habe ich dieses Jahr alles geschöpft. Das heisst erst mal den ganzen Saft aus dem Tank ablassen und danach den festen Anteil in die Presse schaufeln.

Auf das totale Auspressen des Traubengutes habe ich verzichtet und mit tieferem Druck gearbeitet. Alle oben beschriebenen Massnahmen haben den Zweck, dass das Taubengut und der Jungwein insgesamt schonender behandelt wird. Gleichzeig soll durch die Taubenstiele eine etwas andere Gerbstoffkomponente in den Wein kommen. Diese „grünen“ Gerbstoffe sind vorab im oberen Gaumenbereich spürbar.

Verschiedenes

Die Spatzen pfeifen es längst vom Dach, der Jahrgang 2018 ist etwas ganz besonderes, so wie es vielleicht in dreissig Jahren nur einmal vorkommt. Normalerweise halten sich Ertrag und Qualität die Waage, beim 2018er ist jedoch beides herausragend.

Da ich bei allen Rotweinen eine Passage im Holzfass mache, muss nun in den Fässern Platz geschaffen werden um den Jahrgang 2018 unter zu bringen. Ich habe mich daher entschlossen etliche Weine in einer 12 für 10 Aktion für Privatkunden zu verkaufen. Bitte beachten Sie unsere Preisliste oder unsere Webseite.

Qualität und Rückgaberecht

Sollten Sie fehlerhaften Wein im Keller haben, bitte ich Sie um Entschuldigung. Ich ersetze Ihnen selbstverständlich diese Flaschen, was übrigens auch immer für Weine mit Korkengeschmack gilt. Machen Sie also nicht die Faust im Sack, ich stehe für meine Produkte ein. Nach wie vor biete ich einen 6 er oder 12 er Degustationskarton zu einem Sonderpreis an, so können Sie sich von der Qualität der aktuellen Jahrgänge auch zu Hause und beim Essen überzeugen.

In diesem Sinne, à votre santé.

Jürg Biber