Jahresbericht 2020

Sehr geehrte Kundinnen und Kunden

Der Rückblick auf das Jahr 2020 fällt zwiespältig aus und mittlerweile bin ich froh, dass sich nun wieder eine gewisse Normalisierung breitmacht. Natürlich hatte die Krise in der Gastronomie direkt auf alle Zulieferer durchgeschlagen und mich damit unmittelbar getroffen. Glücklicherweise konnte ich in dieser Zeit auf Sie zählen. Sie, als langjährige treue Kundinnen und Kunden haben mir die Stange gehalten und dafür möchte ich mich bei Ihnen bedanken. Es hat sich aber auch gezeigt, wie wichtig der Onlinehandel in unserem Betrieb geworden ist. Hier konnte ich eine deutliche Steigerung des Volumens feststellen und neue Kundschaft gewinnen. Was mich aber fast noch mehr gefreut hat, waren Ihre Reaktionen auf meine Aktionen über den Postkartenversand. Ich denke, hier dürfen wir von einer echten WinWinSituation sprechen. Solche Rabatte kann ich nur Ihnen über einen begrenzten Zeitraum gewähren, um meine diversen Wiederverkäufer nicht zu verärgern. Diese Aktionen wurden sehr gut genutzt und ich konnte dadurch die Liquidität aufrecht erhalten.

Und doch fehlte für mich etwas ganz Entscheidendes, nämlich der direkte Kundenkontakt. Degustationen, das Wein & Sein und Kundenbesuche haben nicht mehr stattgefunden. Es ist für mich wie in einem luftleeren Raum. Es geht nicht darum, Komplimente bei Ihnen abzuholen, sondern ein Echo auf meine Weine zu haben. Es ist dieser Austausch über die verschiedenen Weine, der neue Ideen ins Rollen bringt und Ansporn ist für eine stetige Entwicklung in den Reben wie im Keller.Den anspruchsvollen Konsumenten ist es vermutlich ähnlich ergangen. Sie wollen vertiefte Informationen zu einem Produkt, zum Jahrgang oder was auch immer in direktem Kontakt mit dem Produzenten. Gerade wir Winzer mit Kleinbetrieben nehmen diese Aufgabe gerne wahr und so hoffen wir gemeinsam auf bessere Zeiten.

Das Rebjahr 2020

Mittlerweile kennen wir das ja: warme Winter ohne wirklich tiefe Temperaturen über einen längeren Zeitraum und im Februar / März zu hohe Temperaturen, die einen frühen Austrieb beschleunigten und danach das grosse Zittern vor den Frostnächten bis Mitte Mai. Der Frost blieb im vergangen Jahr glücklicherweise aus, was uns jedoch sehr zu schaffen machte war die Nässe und Kälte während der Blüte. Normalerweise dauert die Blüte 6 bis 8 Tage, doch im vergangenen Jahr waren es mehr als zwei Wochen. Eine miserable Befruchtung war die Folge und die Trauben verrieselten deutlich. Vor allem das 2018 war ein ertragreiches Jahr und die Vorräte waren immer noch da. Gleich zu Beginn des ersten Lockdowns habe ich daher zwei Parzellen Pinot noir ausgerissen und um Kosten zu sparen auch gar nicht neu bepflanzt. Dies haben wir jetzt, ein Jahr später mit der Neupflanzung von Cornalin nachgeholt.

Im Juni sollte an sich der Sommer beginnen, doch es blieb für die Jahreszeit zu nass und zu kühl. Auf Bewässerung konnte im 2020 weitgehend verzichtet werden. Als dann aber das Wetter umschlug, war die Vegetation enorm. Mit den heissen Sommertemperaturen wurde Versäumtes nachgeholt und schon bald zeigte sich, dass der Traubenbehang locker war. Die Ernte begann schon früh im September bei bestem Spätsommerwetter und die frühen Sorten zeigten überdurchschnittliche Zuckergehalte. Der Oktober hatte dann aber eine längere kalte Phase mit immer wieder kleinen Regenmengen, was die Reife der Spezialitäten verzögerte. Doch letztlich zahlte sich die Geduld aus. In Folge der schlechten Blüte lag das Traubengewicht deutlich unter dem Durchschnitt und die Erntemenge war etwa 30% tiefer als das langjährige Mittel. Auch wenn die Zuckergehalte bei den Spezialitäten bescheidener ausfielen, so waren die Trauben wegen dem längeren Behang doch voll ausgereift und gesund. 

Oenologie und Weinjahr im 2020

Bei den Weissweinen gab es keine wesentliche Änderung in der Vinifizierung. Neu ist einzig, dass nun alle Weissweine vegan sind. Entsprechende Versuche in den vergangenen Jahren haben gezeigt, dass es auch ohne geht. Das neue Mittel, um die Bitterstoffe zu binden ist nun auf rein pflanzlicher Basis. Einzig der Chardonnay bildet hier eine gewisse Ausnahme. Bei ihm habe ich nach Abschluss der Gärung intensiv mit der Hefe gearbeitet und bis heute auch nicht filtriert. Ziel und Zweck der Übung ist, mehr Schmelz und Breite im Gaumen und insgesamt mehr Komplexizität zu erreichen.

Die wesentlichen Neuerungen haben bei der Vinifizierung der Rotweine stattgefunden. Zum ersten Mal habe ich beim Einmaischen der roten Trauben ganz auf Schwefel verzichtet. Zu diesem Zweck wird eine Primaflora eingesetzt, die unerwünschte Bakterien und Hefekulturen unterdrückt. Da die Erntemengen geringer waren, konnte ich auch mit tieferen Temperaturen arbeiten, da nicht so eine grosse Menge gekühlt werden musste. Es hat sich aber gezeigt, dass die Kühlung nicht ausreichte, um einen Gärbeginn der Primaflora zu verhindern. Dieser Ansatz mit der Primaflora muss für die Zukunft überdenkt und neu gestaltet werden. Der Schwefel kommt dann erst nach dem Pressen der Maische zum Einsatz und dies erst noch in geringeren Mengen.

Neu ist auch, dass ich die Traubenstiele mitvergoren habe, wobei deren Anteil je nach Sorte variiert. Auf das Übersprayen und Durchmischen der Maische während der Gärung habe ich ganz verzichtet und einzig die Temperatur überwacht. Quasi „mains dans la poche“ und mal schauen, was passiert, bis die Gärung abgeschlossen ist. Erst danach wurden die jungen Weine erwärmt, um die Extraktion abschliessen zu können.

Neu ist auch das Beladen der Presse. Wo ich früher mit der Pumpe die Presse gefüllt habe, habe ich dieses Jahr alles geschöpft. Das heisst, erst mal den ganzen Saft aus dem Tank ablassen und danach den festen Anteil in die Presse schaufeln.

Auf das totale Auspressen des Traubengutes habe ich verzichtet und mit tieferem Druck gearbeitet. Alle oben beschriebenen Massnahmen haben den Zweck, dass das Traubengut und der Jungwein insgesamt, schonender behandelt wird. Gleichzeitig soll durch die Traubenstiele eine etwas andere Gerbstoffkomponente in den Wein kommen. Diese „grünen“ Gerbstoffe sind vorab im oberen Gaumenbereich spürbar. Damit diese Gerbstoffe weniger grün erscheinen und in eine stabile Form übergehen habe ich bei einigen gehaltvollen Spezialitäten gleich nach dem Pressen eine Mikrooxidation gemacht. Was diese Methode bringt, wird sich mit der Lagerung zeigen.

Neu biete ich mit dem Jahrgang 2017 einen Merlot Sélection an. Das Ziel war, einen Réserve zu produzieren, doch leider hat dies nicht im gewünschten Ausmass funktioniert. Es liegt in der Natur der Sache (und auch am Jahrgang), dass dies nicht immer gelingen kann. Aber Weine, die in einem solchen Preissegment liegen, müssen top sein, sonst dürfen sie nicht als solche abgefüllt werden.

Verschiedenes

Schweizer Weine stehen zunehmend unter Druck, einerseits wird insgesamt weniger Wein konsumiert (jährlich im Bereich von 2 bis 3%) und andererseits sind die Probleme in der Branche hausgemacht. Grosse Kellereien haben nun damit begonnen, dass sie von den reinen Traubenproduzenten nicht mehr alles Traubengut abnehmen und mit den obskursten Zahlungsmodellen die Produzenten knechten. Ein Phänomen, das sich nicht nur auf das Wallis beschränkt.

Nach wie vor erhalten Sie einige Weine in einer 12 für 10 Aktion. Bitte beachten Sie unsere Preisliste oder unsere Webseite.

Qualität und Rückgaberecht

Sollten Sie fehlerhaften Wein im Keller haben, bitte ich Sie um Entschuldigung. Ich ersetze Ihnen selbstverständlich diese Flaschen, was übrigens auch immer für Weine mit Korkengeschmack gilt. Machen Sie also nicht die Faust im Sack, ich stehe für meine Produkte ein. Nach wie vor biete ich einen 12er Degustationskarton zu einem Sonderpreis an, so können Sie sich von der Qualität der aktuellen Jahrgänge auch zu Hause und beim Essen überzeugen.

In diesem Sinne, à votre santé

Jürg Biber